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Der "steinige" Weg zu tubeless

Zu dem Thema "tubeless" *1 wurde in den vergangenen Monaten in vielen Fachmagazinen ausführlich berichtet. Vor allem darüber, wie "simpel und einfach" die Montage ist. Allerdings habe ich die Erfahrungen gemacht, dass  einige Dinge bei dem Thema "tubeless" beachtet werden sollten, um den Schritt erfolgreich zu gehen.

Tatsächlich ist es so, dass es selbst im Jahr 2019 immer noch keinen gültigen herstellerübergreifenden Standard für Laufräder und Reifen im Radsportbereich gibt, obwohl das Thema "tubeless" eigentlich ein alter Hut ist. Schlauchlose Reifen sind nichts Neues. Mountainbiker benutzen sie schon seit Jahren und heute sind Tubeless-Reifen Offroad-Standard. In Kraftfahrzeugen sind sie schon seit vielen Jahrzehnten im Einsatz.

Im Radsport haben bislang Drahtreifen mit Schlauch jahrelang hervorragend funktioniert, sind auch für den technikunbegabten Freizeitradler gut zu händeln, insbesondere im Pannenfall. Dadurch ist kein Verlangen nach Neuem aufgekommen.


Hinzu kommt, dass der Laufradsatz tubeless-geeignet sein muss, welches bei den wenigsten Sätzen der Fall ist. Die Anschaffung ist für manchen Radsportler auch nicht mal eben so nebenbei möglich. Ich habe einen tubeless-geeigneten Laufradsatz auch erst mit Neukauf eines Rades erworben.

Auch benötigen Hersteller genügend Zeit, um neue Technologien weiter zu entwickeln. Und dies werden sie erst dann tun, wenn die Fahrer durch Interesse daran zeigen, sich in eine neue Technologie einzulernen. Das Prinzip von Nachfrage und Angebot.

Mavic zum Beispiel bringt seine Laufradsätze 2019 allesamt mit der hauseigenen Bezeichung "UST" auf den Markt und steht für "Universal Standard Tubeless". Ob hier tatsächlich ein Standard geschaffen wird, kann von dieser Stelle nicht berichtet werden, zumindest gilt das System als Referenz, da Laufrad und Reifen speziell angepasst sind.

Nach meiner Einschätzung wird noch ein wenig Zeit ins Land gehen, bis sich die tubeless-Technik durchsetzen könnte. Hierzu bedarf es noch einiger "Pioniere".

In einem vorherigen Beitrag habe ich über meine Schwierigkeiten berichtet. Den Reifen richtig dicht zu bekommen, war letztendlich das Problem, mit dem ich intensiv beschäftigt und gelöst habe. Geholfen dabei hat mir der autorisierte Vertragspartner von Reynolds Cycling in Deutschland: Shocker Dirstribution. Die Jungs von Shocker Distribution haben sich mit mir in Verbindung gesetzt, nachdem ich mich per eMail an Reynolds Cycling gewandt habe.

Das nebenstehende Bild von Mavic verdeutlich das Problem. Die hohen Flanken mit dem sogenannten "Felgenmaul" des Laufrades sind notwendig, um den Reifen zu halten. Daher sind die Flanken eines tubeless-geeigneten Laufrades ein wenig höher als normal.


Auch sitzen die tubeless-Reifen sehr stramm, um ein luftdichtes System bilden zu können. Es kann mitunter sehr schwer sein, den Reifen auf das Laufrad zu ziehen. Nach Angaben von Shocker Distribution gibt es aktuell noch keinen einheitlichen Standard, mit Ausnahme des hauseigenen UST von Mavic. Daher können die Reifen in ihrer Größe bis zu 2mm unterschiedlich ausfallen. Das habe ich bei der Montage gemerkt. Der Vorderreifen war so stramm, dass ich fast verzweifelt bin, der Hinterreifen ging relativ geschmeidig auf die Felge.

Was wird für das System "tubeless" benötigt?

  1. natürlich unbedingt ein tubeless-geeignetes Laufrad, welches in der Regel an dem höheren felgenmaul und an den fehlenden Bohrungen für die Speichen zu erkennen ist.
  2. Felgenband für tubeless-Reifen, in der Regel 2mm breiter als das Innenmaß des Laufrades
  3. Tubeless-Ventil, welches vom Hersteller des Laufrades sein sollte
  4. tubeless-geeignete Reifen, wie z.B. der Continental GrandPrix 5000 TL
  5. vernünftige Reifenheber, ich kann den Heber "Speedier Lever" von Crankbrothers nur wärmstens empfehlen
  6. Dichtmilch, meine Empfehlung das Race Sealant oder Tire Sealant von Stan's NoTubes
  7. ggf. den Dichtmilch-Injektor von Stan's NoTubes
  8. einen Luftkompressor, wie z.B. den Tire Booster von Schwalbe, um schlagartig Luft in den Reifen füllen zu können
  9. ggf. einen Schlüssel für den Ventilkopf, um diesen zu entfernen

Ich bin letztendlich nach vielen Ausprobieren und fehlgeschlagenen Versuchen mit dem oben aufgeführten Equipment erfolgreich gewesen. Ein frisch aufgezogener tubeless-Reifen ist nicht unmittelbar vollkommen dicht, da er vom Werk aus "porös" ist. Es ist also normal, wenn er Luft verliert.

Nachfolgend habe ich die Probleme aufgezählt, mit denen ich hauptsächlich "zu kämpfen" hatte, wobei der Druckverlust zu Beginn der Montage ohne eine vernünftige Dichtmilch normal ist.

Der Tire Booster von Schwalbe ist eine Anschaffung, die tatsächlich nur für die Montage benötigt wird. Dieser Kompressor kann gegen ein Pfand gerne bei mir für den Bornheimer Raum ausgeliehen werden.

Speedier Lever von CrankBrothers
Speedier Lever von CrankBrothers
Race Sealant von Stan's NoTubes
Race Sealant von Stan's NoTubes
Dichtmilch-Injektor von Stan's NoTubes
Dichtmilch-Injektor von Stan's NoTubes
Tire Booster von Schwalbe
Tire Booster von Schwalbe

Folgende Probleme können bei der Montage eines tubeless-geeigneten Reifens auftreten:

  1. der Reifen lässt sich nicht auf das Laufrad aufziehen
    • nach vielen vergeblichen Anstrengungen war ich mit dem Speedier Lever erfolgreich. Dieser kann den Reifen durch das Verwinden beschädigen, aber besser, als den Reifen über die Flanke des Laufrades zu hebeln
  2. der Reifen kann nicht aufgepumpt werden
    • beim ersten Aufpumpen des tubeless-geeigneten Reifen wird ein kräftiger Luftdruck benötigt, um den Reifen in das Felgenmaul des Laufrades zu drücken, dies kann mit einem geeigneten Kompressor erreicht werden
    • es kann erforderlich sein, den Ventilkopf aus dem Ventil zu schrauben, um einen noch größeren Luftstoss in den Reifen zu bekommen, mit einem Druck von 11bar und ohne Ventilkern springt der Reifen leicht in das Felgenmaul
  3. der Reifen verliert weiterhin Luft
    • erst mit Dichtmilch wird das System auch vollkommen dicht. Hier ist die Wahl des verwendeten Mittels der Weg zum Ziel: ich habe die mit Abstand beste Erfahrung mit den Produkten von Stan's NoTube gemacht
    • nach dem Einfüllen der Dichtmilch muss der Reifen aufgepumpt werden, hierbei unbedingt darauf achten, dass das Ventil zukünftig nur noch in der 11-Uhr-Stellung steht (sonst kommt die Dichtmilch aus dem Ventil), nach dem Aufpumpen den Reifen in eine waagerechte Stellung bringen und die Milch im Reifen kreisen lassen, anschließend sollte der Reifen ein wenig gerollt werden. Tatsächlich dicht wird der Reifen nach der ersten oder zweiten Ausfahrt
    • ich habe in dem vorherigen Artikel dargestellt, dass ich eine konische Dichtung in das Auslassloch für das Ventil hinzugefügt habe. Dies habe ich aus haftrechtlichen Gründen rückgängig gemacht, das Tire Sealant hat die notwendigen Abdichtungen übernommen

Die erste tubeless-Ausfahrt war ein wenig ungewohnt. Nach der Abfahrt und auf den ersten Kilometern habe ich mehrmals nach meinen Reifen geschaut, da ich gefühlt mit einem Platten losgebraust bin. Ich hatte nicht das Gefühl, dass das Aeroad jetzt noch einmal schneller ist oder schneller auf Touren kommt, allerdings ist es merklich komfortabler.

Nach einigen Ausfahrten habe ich mich an den neuen Komfort gewöhnt. Verschleiß kann ich noch keinen an den Contis GP 5000 TL erkennen. Dafür ist es wohl noch ein wenig zu früh.

Aber wenn ich Komfort und Pannensicherheit durch den Einsatz von tubeless-Reifen gewonnen habe, dann kann ich sagen, dass sich der ganze Aufwand gelohnt hat.


Erläuterungen:

*1: mit "tubeless" meine ich ein luftdichtes System aus tubeless-geeignetem Laufrad und einem Tubeless-Reifen. Dieses System wird ohne Schlauch aufgebaut.

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