Eschborn-Frankfurt 2018

Meine diesjährige Frühjahrsvorbereitungen waren in Gänze auf den anstehenden Radklassiker in Frankfurt ausgerichtet. Bereits im vergangenen Jahr 2017 präsentierte sich der traditionsreiche Radklassiker im neuen Gewand. Die Aufnahme in den World-Tour-Kalender sowie die Anpassung der Strecken veränderten das Rennen vollständig, auch die der Jedermänner. Das hatte ich im letzten Jahr in Form der "Feldberg-Bezwingung" zu spüren bekommen. Daher bereitete ich mich im Frühjahr 2018 mit der Vorstellung, wieder über den Feldberg zu fahren, vor. Allerdings hatte ich bei der Anmeldung bereits bemerkt, dass die 80-km-Distanz nicht (mehr) angeboten wurde, stattdessen standen u.a 50 km oder 90 km zur Auswahl. Daher entschied ich mich für die 90 km, die identisch mit der im Vorjahr angebotenen 80-km-Strecke war, es wurde "nur eine kleine Schleife" hinzugefügt. Diese kleine Schleife sollte für mich eine böse Überraschung werden

Frohen Mutes ging es in Begleitung meiner Frau bereits am Vortag nach Eschborn. Die Startunterlagen waren in diesem Jahr ein wenig anders gestaltet. Mit der Startnummer wurde erstmals ein in der Startnummer integrierter "Einmal-Transponder" ausgegeben. Perfekt.

Der ausgegebene Startbeutel in Eschborn-Frankfurt ist nach meiner Ansicht übrigens jedes Mal der beste Startbeutel, den ich bislang erhalten habe: neben wirklich nützlichem Inhalt, wie z.B. ein Schlauchtuch, ist auch immer ein witziges Gimmick enthalten: diesmal war es ein Bremslicht von Sigma.

Die Wetteraussichten für den Renntag waren ebenfalls deutlich besser, als im Vorjahr. Trockenes und frisches, aber windiges Wetter versprach die Wetter-APP.

Die Vorhersagen hielten.

Startschuß

Bei kühlen 8 Grad fiel pünktlich um 08:45 h der Startschuß. Nach Ausfahrt aus dem engen Startbereich ging es im schönen Stadttrikot Bornheim zügig und im hohen Tempo nach Frankfurt. Zeitweise las ich von meinem Garmin Edge 810 eine gefahrerene Geschwindigkweit von 55 km/h ab. Hammer. Allerdings kam der teils kräftige Wind von hinten. Die Fahrt auf meinem Canyonbike durch das Frankfurter Bankenviertel war wie immer beeindruckend. Die Innenstadt ist bereits am frühen Morgen mit Zuschauern, die freundlichen Applaus gaben, belebt. Vorbei an der Alten Oper, die das Ziel der Profis ist, ging es in den Taunus. Jetzt mit Gegenwind.

Ich fand eine gute Gruppe und hatte ein gutes Gefühl für das Rennen. Bis Frankfurt hatte ich mich von Gruppe zu Gruppe vorgearbeitet. Kurz vor Bad Homburg entschied ich mich, aus meiner "gefundenen" Gruppe auszureißen um eine weiter vorrausfahrende Gruppe zu erreichen. Das hätte ich besser gelassen. Ich erreichte die Gruppe zwar, hatte allerdings anschließend das Gefühl, ein wenig übertrieben zu haben. Bis zu diesem Zeitpunkt wies mein Garmin ein gefahrenes Stundenmittel von 37,8 km/h aus. Sehr guter Wert.

Teampräsentation

Während ich auf den Weg zum Feldberg war, vertrieb sich meine Frau auf dem Veranstaltungsgelände ein wenig die Zeit. In dieser Zeit fand u.a. das Einschreiben der Elite mit anschließender Teampräsentation statt. Von der Präsentation hat meine Frau schöne Fotos gefertigt.

Der Große Feldberg

Nach Durchfahrt des Ortes Oberursel ging es durch das "Tor zum Feldberg". Das ist meine persönliche Bezeichnung und markiert am Kreisverkehr Hohemarkstrasse/L 3004 genau den Beginn der Klettersequenz. Ab hier mussten 554 HM auf 11,04 km zum "Gipfel" des Großen Feldberges bewältigt werden. Die ersten 5 km bis zur "Schleife" waren noch sehr moderat, dann kamen knüppelharte 6 km. Irgendwo zwischen 5% und knappen 10%-Steigungen, wobei mit zunehmender Höhe die Steigung ebenfalls zunahm. Mit jedem Meter brannten die Beine mehr, die gefahrene Geschwindigkeit sank auch rapide. Während des gesamten Anstieges wurde ich gefühlt von allen Teilnehmern überholt. Mir wird es immer ein Rätsel bleiben, wie es einige schaffen, in einem so hohen Tempo den Berg zu erklimmen.

Während des Antiegs machte sich nach und nach mein Rücken bemerkbar. Es wurde letztendlich so schmerzhaft, dass ich kurz vor der Aufgabe stand.

Irgendwie erreichte ich mit zusammengebissenen Zähnen den Gipfel (ich zog innerlich den Hut vor den Profis, die während der Tour deutlich schwierigere Anstiege zu bewältigen haben) und nun ging es auch genauso steil wieder bergab. 

Während der Abfahrt machten sich nun beide Oberschenkel mit starken und schmerzhaften Krämpfen bemerkbar. Ein Innehalten der Pedalbewegung führte sofort zu einem Krampf des gesamten Oberschenkelmuskels. Also trat ich einfach weiter in die Pedale und hoffte darauf, dass der Krampf sich löste. Und es ging ja bergab, wobei nur noch 30 km Strecke vor mir lag. Allerdings war bei Tempo 70 km/h ein Krampf beider Oberschenkel nicht dazu angetan, die Abfahrt zu genießen.

Ruppertshain

Der Hammer kam allerdings nur ein wenig später. Bei km 66 ging es kurz vor Ruppertshain an die zweite Bergwertung (eingangs erwähnte böse kleine Überraschung), die es im vorherigen Jahr nicht gegeben hat: nur 1,2 km, dafür allerdings mit in der Spitze 15,4% steilen Steigung. Wie eine Mauer ragte der Weg regelrecht vor mit auf. Nun war Feierabend mit den Beinen. Mit je einem schmerzhaften Vollkrampf in den Beinen musste ich anhalten und die Beine entkrampfen. Es ging einfach nicht mehr. Nach ca. 4 Minuten fuhr ich weiter, allerdings war auch mein Akku leer. Den restlichen Anstieg habe ich irgendwie geschafft, ebenso wie ich irgendwie das Ziel erreicht habe, immerhin noch mit einem 35er Schnitt auf den letzten 20 km!!!. Allerdings war selbst der letzte Mini-Anstieg in Kelkheim eine reine Qual.

Fazit

Ich habe trotz der Schwierigkeiten im Schnitt besser als im Vorjahr abgeschnitten, ich fühlte mich auch besser trainiert und vorbereitet.

Von 1333 Teilnehmern habe ich Platz 381 erreicht, in meiner Altersklasse Platz 85 von 380. Das Stundenmittel von 29,2 km/h ist zwar nicht berauschend, aber in Eschborn wird wohl auch ein Mittel von über 30,0 km/h für mich nur schwer zu erreichen sein. Bis zum kommenden Jahr wird der Rücken ebenfalls seine Trainingseinheiten bekommen. Es wird dringend Zeit.

EIne kleine Geschichte aus dem Leben: nach Abreise mussten wir auf dem Weg zur Autobahn einige Minuten an einer Strassensperre (Radrennen der U23) auf die Freigabe durch die Polizei warten. Nach erfolgter Freigabe sprang das Auto (wegen defekter Batterie) trotz Starthilfe nicht mehr an. Der ADAC konnte uns ebenfalls wegen der errichteten Sperren nicht erreichen, so dass wir die Durchfahrt der Elite noch in Eschborn erleben durften. Anschließend machte der ADAC uns wieder flott und Eschborn-Frankfurt 2018 war dann doch Geschichte.

Insgesamt bleibt Eschborn-Frankfurt für mich eine große Herausforderung, der ich mich auch zukünftig stellen werde!!!

Bora hansgrohe mit P. Ackermann (1.v.l.) und E. Buchmann (2.v.r.)
Bora hansgrohe mit P. Ackermann (1.v.l.) und E. Buchmann (2.v.r.)
UAE Emirates mit A. Kristoff (1.v.r.)
UAE Emirates mit A. Kristoff (1.v.r.)
Sunweb mit M. Matthews (1.v.l.) und M. Wahlscheid (1.v.r.)
Sunweb mit M. Matthews (1.v.l.) und M. Wahlscheid (1.v.r.)
Katusha mit R. Zabel (1.vl.)
Katusha mit R. Zabel (1.vl.)
M. Kittel
M. Kittel
"La Hanka"
"La Hanka"
unmittelbar nach dem Startschuß
unmittelbar nach dem Startschuß
Bad Homburg
Bad Homburg
Zieleinfahrt
Zieleinfahrt
Zielfoto
Zielfoto

alle Teilnehmer-Fotos wurden von der Bildageentur SportOnline gefertigt

 

weitere Fotos unter auf meiner Fotoseite


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