Rund um Köln 2018

Prolog

Im Oktober 2017 traf ich einen meiner langjährigen  sowie sehr guten und engen Jugendfreunde wieder. Das Treffen kam bei der Party anlässlich des 50. Geburtstags eines weiteren meiner besten Freunde aus der Jugendzeit zustande. Ich will die beiden in der Folge mal Klaus und Thomas nennen, wobei Ähnlichkeiten mit tatsächlich lebenden oder real existenten Personen rein zufällig sind.

Wenn ich Jugendzeit sage, meine ich es auch so. Wir haben uns im Alter von ca. 12 - 13 Jahren kennengelernt und haben bis heute noch Kontakt zueinander, also seit fast 40 Jahren.

Klar, dass auf der Party, die für mich ein wenig zur Zeitreise wurde, der Alkohol in Strömen floss. Das Leben wurde gefeiert und die Begeisterung für alles war riesig. Und irgendwie ist es nur natürlich, dass meine allgemeine Begeisterung für den Radsport angesprochen wurde. Thomas war schon immer im Klassement der Mountainbiker unterwegs, Klaus reklamierte für sich die Teilnahme am Münsterland Giro. Und zack, war die Idee geboren: wir drei fahren zusammen in einem halben Jahr bei Rund um Köln - am 10.06.2018.

Wer ist eigentlich auf diese Schnapsidee gekommen? Keine Ahnung, aber Rund um Köln 2018 wird somit etwas ganz Besonderes für mich werden....

Vorbereitungen

Also wurden die beiden Jungs verpflichtet, sich auf das Rennen vernünftig vorzubereiten. Wobei ich bei einem der beiden arge Bedenken habe, ob dies auch wirklich geschieht, bzw. geschehen ist.

Natürlich setzt man sich auch gedanklich mit dem Vorhaben auseinander. Grundsätzlich fahre ich nur um "die Ehre" oder die Goldene Himbeere, wie jemand mal so treffend bemerkte.

Mein Anspruch des Vorjahres 2017 bleibt erhalten: unter 2 Stunden zu bleiben und mehr als die üblichen 15 Mitmachpunkte in der Altersklassenwertung zu erkämpfen.

Dieses Jahr bin ich und fühle mich wirklich sehr gut trainiert (trotz des Dämpfers am Feldberg in diesem Jahr).

Der Vorschlag einer Streckenbesichtigung wurde nur von einem der Jungs aufgenommen und am 21. April 2018 umgesetzt. Der andere glänzte in dieser Zeit nur mit markigen Sprüchen per WhatsAPP. Ich bin daher sehr gespannt, wie sich der Renntag für ihn gestalten wird. Bislang lebe ich in der Vorstellung, das Rennen mit einem untrainierten Fahrer starten "zu müssen", wobei jeder für sich alleine fährt. Im anderen Fall würde ich auch wahnsinnig werden.

Daher freue ich mich wahnsinnig auf das Rennen und bin mehr als nur gespannt.

Pre-Racing-Day

Am Samstag habe ich in Begleitung meiner Frau bei traumhaften Wetter die Startunterlagen für die Jungs und mich abgeholt. Ein kurzer Gang über das Gelände des Radsportfests am Harry-Blum-Platz verschaffte uns einen Überblick über das reichhaltige Angebot, welches deutlich über dem in Eschborn 2018 lag. Wer noch nicht mit Kleidung ausgestattet ist, oder noch auf der Suche nach einem Trikot ist, wird hier schnell fündig. Auch besteht die Möglichkeit, zu reduzierten Preisen eine Anmeldung zu weiteren Radrennen, wie z.B. Münsterland Giro 2018 oder Rad am Ring 2018, einzureichen.

Und dem Besucher offenbarte sich die überaus schöne Location des Kölner Rheinauhafen.

Das Rennen

Endlich ist es soweit. Es ist "racing day" und wir sind auf dem Weg in den Startbereich zu den Startblöcken. Wir schieben unsere Räder zum Startblock "C", zu dem der Zugang ohne Kontrolle möglich ist. Ich frage mich kurz, ob wir auch aus dem Block "B" hätten starten können. Wir stehen wegen der zeitlichen Enge zum Start sehr weit hinten im Block "C". Egal, dann wird das Feld eben von hinten aufgerollt.

Die einzelnen Startblöcke werden im Abstand von jeweils zwei Minuten in das Rennen geschickt, wir rollen um 11:04 h über die Startlinie und los geht's.

Unmittelbar hinter der Startlinie steht am rechten Rand ein Kollege, der mich erkennt und sehr nett anfeuert. Vielen Dank.

Dann geht es wie immer in sehr hohem Tempo (ca. 50 km/h) durch den Rheinufertunnel, über die Mülheimer Brücke und durch den Stadtteil Köln-Mülheim. Kurz darauf sind wir im Bergischen Land.

Der erste moderate Anstieg liegt in Schildgen. Dieser besteht aus zwei Rampen, die vom weiten steiler aussehen als sie tatsächlich sind. Der Anstieg wird mit Tempo 30 bewältigt.

Hinab durch eine Ebene und ich erreiche mit einem 40er Schnitt (!!!) Odenthal. Ab Odenthal beginnt "der Anstieg" nach Bechen. Der Anstieg besteht aus mehreren Steigungen, die u.a. mit 10%-Rampen recht steil sind. Auch diese werden mit über 20 km/h angegangen und zum Schluss mit für mich schnellen 15 km/h bewältigt. Es läuft richtig gut für mich. Schnell über den Rodenberg und wir sind in Bechen. Schanze und Spitze passiert und mit dem höchsten Tempo von ca. 70 km/h donnern wir hinunter zur Dhünn, um uns dem 18%igen Anstieg in Bergisch-Gladbach/Sand, zum Privathotel Bremer, zu stellen. Bei diesem hohen Tempo möchte ich mir gar nicht ausmalen, was alles passieren kann.

Aus dem hohen Tempo heraus geht es in eine enge rechtwinklige Kurve in den besagten Anstieg. Das Abbiegen ist mit einer deutlichen Reduzierung der Geschwindigkeit verbunden, worin u.a. eine der Schwierigkeiten des anstehenden Anstiegs besteht. Viele Teilnehmer waren nicht auf das Bremsen vorbereitet und entsprechend dick unterwegs. Das Knallen der Ketten bei den notwendigen Schaltvorgängen war deutlich zu hören. Eine weitere Schwierigkeit sind langsamere Teilnehmer, die sich links oder mittig der Straße aufhalten. Die rechte Straßenseite ist oftmals leer.

Der Anstieg zu dem Hotel wirkt ein wenig wie eine Mauer, so steil ist es. Gott sei Dank ist es nur ein kurzes Stück. Ein Steigen aus dem Sattel zeigte, dass der Hinterreifen kaum Haftung hatte und ich mit durchdrehenden Hinterreifen ins Leere trat. Also in den Sattel, Zähne zusammenbeißen und einfach treten. Dieser Streckenabschnitt ist sehr gut besucht. Viele, viele Zuschauer stehen am Streckenrand und feuern die Radfahrer an oder brüllen diese einfach nach oben. Herrlich!!!

Nach Bergisch-Gladbach/Sand kommt der für mich anstrengendste Streckenabschnitt. Nämlich die Anfahrt zum Schloss Bensberg. Anstrengend wegen der sehr steilen Rampen, die in das berüchtigte Kopfsteinpflaster münden. Allerdings gibt es auch hier jede Menge Motivation und Anfeuerung durch die vielen Zuschauer. Nach dem Kopfsteinpflaster ist das Schlimmste geschafft. Nun geht es in Wellen über Forsbach nach Rösrath. Nach Bensberg gilt es, eine gute Gruppe zu finden, um nicht allein zu fahren. Die "Bensberger Abfahrt" habe ich fast allein vorgenommen, dessen ungeachtet habe ich in 100 Meter Entfernung voraus eine größere Gruppe ausmachen können. 100 Meter können auch schon mal lang werden: mit einem enormen Kampfwillen habe ich zusammen mit zwei weiteren Fahrern den Anschluss geschafft, das Loch zugefahren wie man so schön sagt.

Mit Tempo 60 geht es zur Rösrather Strasse und mit 50 Sachen über die Rösrather Strasse zurück nach Köln. Die Kölner Ortsteile Rath/Heumar, Neubrück, Ostheim Vingst und Kalk fliegen förmlich an mir vorbei. Über den Deutzer Ring wird das Ende der 68-km-Runde eingeleitet.

Der Deutzer Ring ist die Zufahrt zur Severinsbrücke. Über diese Brücke erfolgt die Anfahrt zur Zielgraden. Auch diese wird mit Tempo 35 genommen, die Kurve zum Rheinufer in voller Fahrt. Anschließend suche ich mir einen schnellen Windschatten und aus diesem heraus überquere ich mit über 50 Sachen (in der Ebene) die Ziellinie.

Fazit

Tja, jetzt fragt sich natürlich jeder, was aus Thomas und Klaus geworden ist. Bei ihrem Rennen war ich nicht dabei. Aber die beiden haben mit einem respektablen Resultat die Ziellinie überquert. Und das Rennen hat beiden so großen Spaß gemacht, dass nächstes Jahr am 02.06.2019 eine Fortsetzung folgt. Chapeau!!! 

Im Ergebnis habe ich für die 68-km-Strecke 1:49:06 h benötigt, bei einer gefahrenen durchschnittlichen Geschwindigkeit von 37,8 km/h. Ich habe von 2069 Teilnehmern den Platz 453, in der Altersklasse sogar Platz 97 von 661 erreicht. Das stellt das für mich bislang beste Ergebnis bei Rund um Köln dar. Das hört sich erst einmal nach nichts an, aber es waren nur 21% der Teilnehmer insgesamt schneller, in der Altersklasse habe ich mich sogar im oberen Sechstel einsortiert.

Dieses sehr gute Ergebnis habe ich auch deswegen erzielt, weil ich meinem Hobby ausgiebig frönen kann und dies auch mitgetragen wird.

Für das Mittragen und das Frönenlassen danke ich insbesondere meiner Frau!!!

Radsportfest mit Domblick
Radsportfest mit Domblick
Abholen der Startunterlagen
Abholen der Startunterlagen
Rheinauhafen Köln
Rheinauhafen Köln
Startunterlagen
Startunterlagen
Startaufstellung
Startaufstellung
Trio Infernale
Trio Infernale
Einschreibkontrolle Katusha Alpecin
Einschreibkontrolle Katusha Alpecin
Kurbelgranaten im Startblock
Kurbelgranaten im Startblock
Schildgen
Schildgen
Anstieg in Bergisch-Gladbach/Sand
Anstieg in Bergisch-Gladbach/Sand
Kopfsteinpflaster Schloß Bensberg
Kopfsteinpflaster Schloß Bensberg
Severinsbrücke
Severinsbrücke

Kommentar schreiben

Kommentare: 0