· 

Abenteuer "tubeless"

Ventilverlängerung
Ventilverlängerung
Continetal GrandPrix 5000 TL mit Dichtmilch
Continetal GrandPrix 5000 TL mit Dichtmilch

Ich habe Euch bereits ein paar Geschichten zu meinem neuen Renner, dem Aeroad Canyon CF SLX 8.0 Di2, erzählt. Dieses Rad ist u.a. mit Laufräder von Reynolds ausgestattet. Sie sind auch tubeless-ready *1, so sagte mir die Canyon-Mitarbeiterin bei der Übergabe des Rads nicht ganz ohne Stolz in der Stimme.

Tubeless-ready bedeutet, dass ein Laufrad zwar herkömmlich mit Reifen und Schlauch ausgestattet ist, aber "ganz unkompliziert und sehr schnell" auf tubeless *2 umgerüstet werden kann. Hierzu bekam ich bei Übergabe des Aeroad spezielle Felgenbänder und Ventile. Die dazugehörigen Reifen natürlich nicht.

Die Vorteile von tubeless machen mich natürlich neugierig und wecken Begehrlichkeiten: allen voran steht die erhöhte Pannensicherheit, der höhere Komfort sowie der geringere Rollwiderstand mit der besseren Traktion. Alles im Vergleich zu dem herkömmlichen Setups mit Reifen und Schlauch.

Eigentlich will ich das Aeroad nach dem Flop einer personalisierten Di2 im Auslieferungszustand halten und die Fahrten damit genießen. Aber nach zwei Fahrten will ich Luft in die Räder nachfüllen.

Canyon liefert die Laufräder mit sogenannten Ventilverlängerungen aus. Das eigentliche Ventil wird geöffnet und die Verlängerungen aufgesetzt. Der Ventilkopf oder -kern wird aber nicht auf die Verlängerung montiert, sondern befindet sich unerreichbar in der Carbonflanke des Laufreifens. Ich dachte, dass es kein Problem ist, die Pumpe an die Verlängerung zu schließen und Luft in den Reifen zu pumpen. So wurde es mir bei der Übergabe versichert. Aber ich merke, dass ich keine Luft in die Reifen füllen kann. Der Luftstoss mit meiner Standpumpe von Topeak (Joe Blow) reicht nicht aus, um Luft in die Reifen zu füllen.

Also war das Öffnen der Reifen fällig. Zuvor kommt mir die Idee, dass ich die Räder doch direkt auf "Tubeless" umrüsten kann, wenn ich diese doch ohnehin öffnen muss. Passenderweise habe ich gerade einen ersten Test der flammneuen Reifen von Continental, Grand Prix (GP) 5000 TL, gelesen. Schnell waren die Reifen bestellt, die auch prompt geliefert werden.


Bereits beim Lösen des alten Reifens (Continental Attack) merke ich, dass dies nicht einfach wird. Mehr recht als schlecht kann ich den aufgezogenen Reifen demontieren und den Schlauch entfernen. Der Reifen sitzt so stramm auf dem Laufrad, dass ich dieses mir genau unter die Lupe nahm. Der Reynolds hat um 5mm höhere Felgenhörner als andere Laufreifen. Für die Montage des Conti GP 5000 TL schwant mit bereits Böses und richtig: es wird so schwer, dass ich nach zwei Stunden entnervt aufgebe und den Reifen zum Fachhändler (Olaf's Radladen in Wesseling) in der Nähe bringe.

Die Montage des Felgenbands und des Tubelessventils hingegen ist einfach und wie ein befreundeter Radfahrer mir zuvor am Telefon sagt "keine Raketentechnik". Die Handhabung ist somit auch für den Laien zu bewerkstelligen.

Der Mechaniker aus dem Laden sagt mit bei Abholung des Rades mit dem aufgezogenen Reifen, dass "das Aufziehen nichts ist, was Spaß macht". Aber Olaf's Radladen hat es geschafft. Das ist nicht das erste Mail, dass ich mit den Technikern gute Erfahrungen mache. Allerdings weist mich der Techniker darauf hin, dass der Reifen nicht ganz dicht ist.

Der Conti war drauf und die Dichtmilch schnell drin, mit der Hoffnung, dass diese den akuten Luft- oder Druckverlust wett macht.

Aber es ist wie verhext. Die Luft kommt aus dem Auslassloch für das Ventil aus der Felge. Ein Blick auf die Rändelschraube am tubeless-Ventil zeigte, dass eine Seite des Ventils mit einem schmalen Ring versehen ist. Diese Seite muss nach meiner Ansicht in Richtung Felge zeigen. Gedacht - getan. Und schon war der Reifen fast dicht. Es gibt nur noch eine klitzekleines Undichtigkeit, welche zwischen Dichtung des Ventils und der Felge zu erkennen war. Bis auf 3 bar wird die Luft im Reifen gehalten, solange kein Druck auf den Reifen ausgeübt wird. Sobald Druck hinzukommt, entweicht weiterhin die Luft.

Also mit dem Reynolds zurück zu Olaf's Radladen und Demonstration der problematischen Stelle. Inzwischen ist auch mein Ehrgeiz geweckt, die für mich neue Technik zu "beherrschen" und das Loch dicht zu bekommen.

Zusammen mit einem Mechaniker komme ich zu dem Ergebnis, dass eine konische Dichtung, die normalerweise innen am Ventilfuß montiert wird, in diesem Fall helfen könnte.

Bestellt, montiert. Tatsächlich, der Reifen ist dicht. Auch nach 10 Stunden ist der gesamte Druck auf dem Reifen ohne Verlust vorhanden.

Ein wenig Druck auf den Reifen änderte nichts daran. Bei starker Belastung (als wenn ich auf dem Rad sitze) kommt ein wenig Dichtmilch aus dem Auslassloch des Ventils, verhärtet dort und es entweicht keine weitere Luft. Der Reifen ist weiterhin dicht. Was folgt ist die Umrüstung des hinteren Laufrades. Mit den gewonnenen Erkenntnissen mit dem vorderen Laufrad wird es schon funktionieren. Nun freue ich mich auf meine erste tubeless-Ausfahrt.

Reynolds Strike mit Conti GP 5000 TL
Reynolds Strike mit Conti GP 5000 TL
flache Ringdichtung am Auslassloch des Ventils
flache Ringdichtung am Auslassloch des Ventils

Aus diesen Erfahrungen ziehe ich mich folgendes Fazit: konische Dichtungen sind zumindest für Laufräder von Reynolds die bessere Variante als mitgelieferten Reynolds-Ventile. Und Laufräder von Reynolds sind im Felgenhorn tatsächlich sehr hoch, 5mm höher als vergleichbare Felgen. Diese 5mm haben mir letztendlich bei der Montage "gefehlt" Ich hoffe, dass mir mein neuer Satz Reifenheber helfen wird.

Erläuterungen

*1: Laufräder, die tubeless-ready sind, weisen einen besonderen Querschnitt auf: die Felgenhörner sind in der Regel höher als bei normalen Clinchern. Die Felgenhörner haben nach eine innen liegende Nase, in die sich die tubeless-Reifen hineindrücken. So wird gewährleistet, dass der Reifen keine Luft verliert. Weiterhin sind die Speichenlöcher bereits abgedichtet, mit einem speziellen tubeless-Felgenband (schwerer und dichter als herkömmliche Felgenbänder) wird 100%ige Dichtigkeit hergestellt.

Tubeless-ready meint somit, dass zunächst ein "normales" Setup mit Laufrad, Reifen (Mantel) und Schlauch vorhanden ist, aber auch nach tubeless, also nur Laufrad und Reifen, aufgebaut werden kann.

 

*2: tubeless meint ein Setup der Laufräder, die nur mit einem Reifen (Mantel) ausgestattet sind, ähnlich des Prinzips eines Autoreifens. Die tubeless-Laufräder sind also speziell abgedichtet und weisen in der Regel einen höheren Querschnitt auf. Daher ist die Montage eines Reifens in der Regel ein wenig (?) mühseliger

Kommentar schreiben

Kommentare: 0